Artikel vom 25.02.2022

Frischer Wind für die Schufa: Bringt ein Kauf durch Investor EQT neue Transparenz?



2027 wird die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, 100. Seit Monaten tobt ein Kampf um die Übernahme: Sollte der Finanzinvestor EQT das Rennen machen, will er die Schufa gründlich entstauben. Längst überfällig, meinen Verbraucherschützer. Doch der Einstieg des Schweden stößt nicht überall auf Gegenliebe, denn die Schufa besitzt Daten zu nahezu allen Bundesbürgern.

Revolution! Was EQT mit der Schufa vorhat

Zum einen soll eine App zur Selbstauskunft kommen: Über diese sollen Verbraucher künftig einsehen können, was die Schufa über sie gespeichert hat. EQT schreibt sich den Verbraucherschutz auf die Fahnen. Dazu schwebt dem Investor ein kostenloses App-Datencockpit vor: Änderungen bei Daten und Schufa-Score, neue Informationen kommen hinzu? Bestimmte Unternehmen fordern Infos zur Bonität an? Von all dem sollen Verbraucher zeitnah per Push-Nachricht erfahren. Und auch sonst sieht die EQT Partners GmbH unausgeschöpftes Änderungs- und Wachstumpotenzial: EQT will auch die Dienstleistungen für Online-Händler ausbauen.

Weg für Verkauf frei: Was macht die Schufa so interessant?

Sie besitzt Daten zu Zahlungsverhalten und Kreditverpflichtungen von über 68 Millionen Verbrauchern. Seit 2000 ist Deutschlands größte Auskunftei eine Aktiengesellschaft, und war - entgegen landläufiger Irrannahme - nie eine öffentliche Behörde. Die Datenkrake sammelt Informationen zur finanziellen Situation von Internet-Käufern, Kreditnehmern, Bank- und Kreditkartenkunden und Vertragskunden von Mobilfunkfirmen und erstellt Schufa-Scores zur Bonität von Verbrauchern. Neben ihren Anteilseignern übermitteln noch weitere Vertragspartner Informationen an die Schufa. Dafür erhalten sie im Gegenzug ermäßigte Score-Auskünfte. Schufa-Scores, die von mehr als 10.000 Unternehmen genutzt werden. Aktuell liefert sich der Finanzinvestor EQT einen Bieterstreit mit den Volks- und Raiffeisenbanken. Denn das Bundeskartellamt hat den Weg für den Verkauf der Schufa Holding AG freigemacht.

Anteilseigner pochen auf Schufa-Neutralität

Wer ist die EQT? Kein Newcomer, sondern seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland aktiv und an deutschen Firmen wie der Deutschen Glasfaser oder dem Blockheizkraftwerk-Unternehmen G+E Getect beteiligt. Eigentlich träumt EQT davon, die Schufa, die mit gut zwei Milliarden Euro bewertet wird, komplett zu übernehmen. Nicht mit uns, protestierten die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die über ein Vorkaufsrecht verfügen - und pochen auf die Neutralität der Schufa. Die 10 Prozent im Besitz des französischen Bankhauses Société Générale hatte sich EQT schon gesichert und die gewünschte Komplettübernahme beim Kartellamt angemeldet. Und Gerüchte wollen wissen, dass die EQT freiwerdende Anteile großer deutscher Privatbanken kaufen könnte. Jetzt muss der Schwede nur noch an den Anteilseignern vorbei: Die genossenschaftliche Teambank, die 18 Prozent hält (bekannt z. B. durch den Ratenkredit Easycredit) gehört zur DZ Bank-Gruppe, die die Anteile von Volks- und Raiffeisenbanken bündelt. Insgesamt gehören Sparkassen- und Genossenschaftsbanken aktuell 47 Prozent der Schufa.

Ministerin für Verbraucherschutz: Mehr Transparenz, bitte!

Scoring und Datensammelwut der Schufa stehen seit langem in der Kritik. Auch, weil die Berechnung des Schufa-Scores eine echte Black Box, weil Betriebsgeheimnis der Auskunftei ist. Längst habe der Schufa-Vorstand mehr Transparenz versprochen, so jetzt Bundesverbraucherschutzministerin Lemke (Die Grünen). Eine Selbstauskunft als Abfrage zu den eigenen Verbraucherdaten reiche nicht. Die Schufa müsse auch veröffentlichen, welche Informationen wie bewertet würden. Aber ganz gleich, wer die künftigen Eigentümer der Schufa wären, so Lemke, europäische und deutsche Datenschutzstandards würden für alle Unternehmen gleichermaßen gelten.

EQT: Schufa-Konzept benachteiligt Verbraucher

Bei EQT ist man sich sicher, dass sich das Investment lohnt. Allein im vergangenen Geschäftsjahr machte die Schufa einen stolzen Umsatz von 230 Millionen Euro, bei einer Gewinnmarge von gut einem Drittel. Auch will EQT einen dreistelligen Millionenbetrag in das Wachstum der Schufa pumpen. Fest steht, dass etwas frischer Wind der Schufa nicht schaden kann. Übrigens betont EQT, dass man an den Datensätzen selbst kein Interesse habe. Falls das so stimmt, würde das die Beteiligungsfirma von den derzeitigen Anteilseignern wie Banken und Händler unterscheiden, die Kundendaten an die Schufa schicken - und dann ihrerseits die auf dieser Basis berechneten Bonitätsscores nutzen. Denn der neue Finanzinvestor sieht das bisherige Konzept kritisch: Es führe zu Interessenskonflikten, bei denen der Verbraucher das Nachsehen habe. Wer kauft die Schufa? Man darf gespannt sein: Wer das Rennen macht, ist aktuell noch völlig offen.

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