Artikel vom 02.11.2021

Bewerber-Selbstauskunft: Ihr Führungszeugnis, bitte!



Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise zu Qualifikationen: Jeder Jobbewerber muss all dies liefern. Nicht wenige Personaler entwickeln bei der Suche nach dem perfekten Mitarbeiter detektivischen Spürsinn. Zu den begehrten Informationen zählen auch Einträge im Strafregister, wie aktuelle Erhebungen zeigen. Wann dürfen Arbeitgeber das polizeiliche Führungszeugnis verlangen?

Immer mehr Firmen verlangen Führungszeugnis

Wer schon mit dem Gesetz in Konflikt war, wird oft bei der Jobsuche an seine Vorstrafen erinnert. Immer mehr Unternehmen verlangen ein polizeiliches Führungszeugnis im Bewerbungsprozess. Eine stichprobenartige Erhebung des Berliner Compliance Experten Business Keeper fand heraus: Fast 5 Prozent der Unternehmen wollen diesen Nachweis inzwischen sehen. Dazu nahm die IT-Firma die 20 größten deutschen Städte (ohne Umkreise) auf der Jobplattform Indeed in den Blick. Ganz oben: Die Ruhrgebietsmetropole Essen mit 4,59 Prozent, gefolgt von Dresden (2,53 Prozent) und Leipzig (2,3 Prozent). Auch Duisburg und Berlin liegen über dem Durchschnitt, während München lediglich auf Platz 19 rangiert.

Was ist ein Führungszeugnis?

Das polizeiliche Führungszeugnis, früher Leumundszeugnis, ist ein behördliches Dokument, das den Arbeitgeber über Vorstrafen und Verfehlungen informiert. Ein Auszug aus dem Bundeszentralregister, welches alle strafrechtlich relevanten Daten zu Verurteilungen, Schuldunfähigkeit und Entscheidungen von Verwaltungsgerichten verzeichnet. Verlangt wird das Führungszeugnis besonders in Jobs mit überdurchschnittlich hoher Verantwortung wie im Bereich Security gem. § 34a der Gewerbeordnung, in der Kinder- und Jugendarbeit gem. § 30a Bundeszentralregistergesetz oder bei Banken- und Versicherungen; für Beamtenanwärter ist ein Führungszeugnis obligatorisch.

Führungszeugnis: Einfach, erweitert, europäisch - was ist was?

Neben dem einfachen gibt es ein erweitertes, ein behördliches und ein europäisches Führungszeugnis. Eingeführt 2010, erteilt das erweiterte Führungszeugnis Auskunft zu Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Minderjährigen in Kontakt sind. Das erweiterte Führungszeugnis weist alle Verurteilungen wegen Sexualstraftaten oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit aus - auch Jugendstrafen oder begrenzte Geldstrafen. Erweitertes Führungszeugnis beantragen? Neben dem Antrag ist die schriftliche Aufforderung der Stelle, die das Zeugnis von Ihnen fordert, vorzulegen. Ohne diesen Nachweis - durch Arbeitgeber, Verein etc. - kann ein erweitertes Führungszeugnis nicht erteilt werden. Gewerbe anmelden? Dann müssen Sie u. Umst. ein behördliches Führungszeugnis vorlegen, das neben Vorstrafen auch die bisherigen Entscheidungen von Verwaltungsbehörden benennt. Bürger eines anderen EU-Staates, die in Deutschland leben, führen seit 2012 den Nachweis durch ein europäisches Führungszeugnis. Dieses enthält - neben Einträgen aus dem Bundeszentralregister - auch solche aus dem Strafregister des Herkunftslandes.

Darf der Arbeitgeber nach Vorstrafen fragen?

Immer mehr deutsche Arbeitnehmer sind vorbestraft: Allein 2019 wurden mehr als 700.000 Personen rechtskräftig verurteilt. Gewaltkriminelle bilden die Ausnahme; zwei von drei Tätern wurden wegen Eigentums- und Vermögensdelikten oder Verkehrsdelikten bestraft. Eine Personengruppe, die wie alle anderen Geld verdienen muss - und sich unter den Jobbewerbern findet. Grund genug für Arbeitgeber zu fragen: Hat dieser Kandidat eine weiße Weste? Denn ein langes Vorstrafenregister legt den Verdacht nahe, dass Regeltreue und Sozialverhalten solche Bewerber zu wünschen übrig lassen. Doch laut Arbeitsrecht sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber prinzipiell gleichberechtigte Partner - dürfen Arbeitgeber Bewerber um ein Führungszeugnis bitten? Nicht generell, weil dies gegen das Bundesdatenschutzgesetz verstößt. Nur für die angestrebte Position relevante Daten darf der Arbeitgeber anfragen. Im Klartext: Fragt der Chef in spe zu Unrecht nach Vorstrafen, dürfen Bewerber lügen. Arbeitsrechtler raten dazu, alles, was nichts mit der angebotenen Stelle zu tun hat, bei der Bewerber-Selbstauskunft zu verschweigen.

Darf mein Chef im laufenden Arbeitsverhältnis ein Führungszeugnis verlangen?

Nur, wenn es eine gesetzliche Regelung dazu gibt oder dies so im Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag steht. Ihr Chef darf Ihnen bei Weigerung weder kündigen noch zu disziplinarischen Maßnahmen greifen (und Ihnen auch nicht wegen Vorstrafen kündigen, die betrieblich unrelevant sind). Anders liegt die Sache, wenn Sie sich mit dem Unternehmen im Bewerbungsgespräch darauf geeinigt haben, das Führungszeugnis später nachzureichen. Trotzdem sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie das Vorlegen des Führungszeugnisses verweigern, wenngleich dies Ihr gutes Recht ist. In der Praxis kann dies Ihre Chancen auf die Stelle verringern. Denn wer möchte schon, dass sein neuer Chef glaubt, er habe irgendetwas zu verbergen? Entscheiden Sie nach Situation: Bei Aussicht auf Beförderung in eine verantwortlichere Position ist eine solche Vorlage nicht nur im Arbeitgeber-,. sondern auch in Ihrem Interesse.

Wann werden Vorstrafen wieder gelöscht?

Geldstrafen von über 90 Tagessätzen bzw. Freiheitsstrafen von mehr als drei Monaten erscheinen im Führungszeugnis. Geringere Strafen registriert das Bundeszentralregister ebenfalls, aber ein Eintrag im Führungszeugnis erfolgt nur, wenn mehrere solcher Strafen vorliegen. Sie wurden als Jugendlicher mit Cannabis geschnappt? Nach Ablauf der Verjährungsfrist heißt es trotzdem Vorsicht: Alte Einträge werden nur dann gelöscht, wenn Sie danach nicht erneut wegen Rauschgift-Besitzes verurteilt wurden! Jugendstrafen auf Bewährung dagegen erscheinen nicht. Kleinere Delikte wie Geldstrafen und Freiheitsstrafen unter drei Monaten sind nach drei Jahren getilgt, Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr sowie zweijährige, nicht auf Bewährung ausgesetzte Jugendstrafen verjähren binnen fünf Jahren. Ausnahme: Sexualdelikte gem. §§ 174 bis 180 oder 182 Strafgesetz - hier beträgt die Tilgungsfrist zehn Jahre. Bestimmte Einträge wie Sicherungsverwahrung und lebenslange Freiheitsstrafen werden nie entfernt.

Führungszeugnis beantragen - darf das der Arbeitgeber?

Ein klares Nein! Dies darf nur der Arbeitnehmer, beim Bundesamt für Justiz, weil der Datenschutz seine Privatsphäre wahrt - per Brief, persönlich oder online. Erscheinen Sie persönlich, legen Sie Personalausweis oder Reisepass bei Ihrer örtlichen Meldebehörde vor. Alternativ können Sie Ihr Führungszeugnis über das Online-Portal des Bundesamts für Justiz beantragen. Praktikum oder Ausbildungsplatz? Ab 14 Jahren können Sie oder Ihre Eltern ein Führungszeugnis beantragen. Ein Führungszeugnis enthält die Daten nur in deutscher, englischer und französischer Sprache. Ein Dokument, das kostenpflichtig ist und dem Sie mehrere Wochen Bearbeitungszeit geben sollten. Unterschiedliche Stellen sind dafür zuständig - Stadt, Kreis, Einwohnermeldeamt oder Bürgerberatung. Auch seriöse Online-Services können Sie bei dieser Erledigung im Rahmen von Selbstauskunft unterstützen. Gültig ist ein Führungszeugnis übrigens unbegrenzt. Wie alt das Dokument sein darf, um durch einen Arbeitgeber akzeptiert zu werden, ist allerdings Ermessenssache - aber erfahrungsgemäß nicht älter als drei Monate.

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