Artikel vom 05.03.2019

24 Stunden Pflegekräfte: Transparenz bei Qualifikation und Leumund?



Deutschland altert. In Zeiten demografischen Wandels werden ausländische Pflege- und Betreuungskräfte immer begehrter. Denn sie versorgen pflegebedürftige Angehörige direkt im eigenen Haushalt - 24/7. Viele gehören schnell zur Familie, aber einige verfügen über dubiosen Background. Also besser prüfen, bevor man Fremde ins Haus lässt?

Pflegekräfte aus Bosnien: Diplom gegen Bares

Der deutsche Ruf nach qualifizierten Pflegekräften bleibt im übrigen Europa nicht ungehört. Wie in Bosnien, wo Kriminelle mit gefälschten Pflegeabschlüssen privater Medizinschulen, die mit Ausbildung nach deutschem Vorbild werben, gut verdienen - wie eine bosnische Investigativreporterin jetzt aufdeckte. Nur Krankenpflegerinnen, die diese spezielle Umschulung absolvieren, dürfen auch in Deutschland in ihrem Beruf tätig sein. Für umgerechnet zwischen 1.000 und 2.000 Euro wechseln notariell beglaubigte, rückdatierte Diplome mit Schulstempel den Besitzer.

Triple Win: Pflegekräfte aus dem Ausland rekrutieren

Kriminelle profitieren hier indirekt von einer Vermittlungsabsprache zwischen der Bundesagentur für Arbeit und Bosniens Arbeitsverwaltung. Über das Modell Triple Win werden auch Pflegefachkräfte aus Serbien, den Philippinen und Tunesien rekrutiert, die bereits im Heimatland Deutsch lernen sollen. Arbeitgeber, die bei Triple Win mitmachen, zahlen 5.500 Euro plus Flugticket. Allerdings ist die zu schließende Versorgungslücke erheblich, weshalb von Bewerberinnen aus dem Ausland oft kein regulärer Abschluss mehr verlangt wird. Schulungen der Arbeitsagentur genügen, um z. B. als Pflegehelferin zu starten. Zwar will Triple Win von gefälschten Abschlüssen nichts wissen, aber für Pflegeagenturen, die Bewerber suchen, ist dies ein offenes Geheimnis. Bei auffälligen Unterlagen, etwa zu kurzen Umschulungszeiten, haken sie in Pflegeeinrichtungen im Heimatland nach: War diese Pflegekraft wirklich zum Praxissemester bei Ihnen?

Erweitertes Führungszeugnis für Pflegekräfte gefordert

Pflege - ein Job mit hoher Verantwortung. Nach einem mutmaßlichen Doppelmord in einem Altenheim fordert Sozialministerin Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Rheinland-Pfalz: Künftig solle jede Pflegekraft ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. So könne bei bestimmten Vorstrafen wie Misshandlungen ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden. Medienwirksame Übergriffe in Pflegeheimen seien, so Arthur Kreuzer, emerierter Kriminologieprofessor Uni Gießen in der "Zeit", nur die Spitze eines Eisbergs. Aktuelle Umfragen des Zentrums für Qualität in der Pflege besagen: Jede dritte befragte Pflegekraft räumt ein, dass Rechte von Schutzbefohlenen regelmäßig missachtet würden.

Diese Voraussetzungen müssen Pflegekräfte aus dem Ausland erfüllen

Zukünftige Pflegekräfte aus Nicht-EU-Staaten erhalten nur bei Vorliegen eines unterschriebenen Arbeitsvertrags das begehrte Visum. Bürgerinnen aus EU-Mitgliedstaaten und EFTA-Staaten dagegen reisen im Rahmen des Freizügigkeitsrechts ein, um eine Beschäftigung aufzunehmen. Und sind hochwillkommen, denn laut Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit kommen derzeit auf 100 Stellen nur 29 Interessierte. Frauen aus Osteuropa wie Bosnien reisen an, um eine verantwortungsvolle Tätigkeit im Pflegebereich zu erfüllen - mit Betreuung, Beratung Angehöriger und Pflege von Patienten und der Durchführung ärztlicher Anordnungen. Wer auf Dauer in Deutschland in der Pflege tätig sein will, braucht eine staatliche Zulassung. Dazu müssen - wie oben erwähnt - Ausbildungen des Herkunftslandes anerkannt bzw. deutschem Standard angeglichen werden. Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit sind durch einen Nachweis der Straffreiheit mittels Führungszeugnis aus der Heimat zu belegen.

Die Pflegekraft kommt: Vermittlungsagentur oder Eigenregie?

Aber was, wenn Diplome und Führungszeugnisse gefälscht sind? Wie kann ich mich als Pflegebedürftiger, der Dienstleistungen osteuropäischer Einzelunternehmerinnen in Anspruch nimmt, gegen Betrüger absichern? Schon 2013 schätzte das Deutsche Institut für Pflegeforschung die illegal beschäftigten Betreuungskräfte auf 400.000 - eine Zahl, die seit Einführung des Mindestlohns 2015 sehr wahrscheinlich gestiegen ist. Eine vergleichsweise sichere, aber relativ teure 24 Stunden Beschäftigungsvariante (hier wird Mindestlohn gezahlt) ist das Modell, Betreuungskräfte über eine Vermittlungsagentur zu bestellen. Frauen aus Osteuropa, die im Rahmen des Entsendegesetzes anreisen, aber bei einem Dienstleister im Heimatland sozialversicherungspflichtig angestellt sind - nur mit Nachweis A1 seriös. Stiftung Warentest machte 2017 die Probe aufs Exempel: Von 266 kontaktierten 24-Stunden-Vermittlungsagenturen antworteten lediglich 88 überhaupt auf die Anfrage - aufschlussreich! Als positiver Indikator gilt auch eine Mitgliedschaft im Verband für häusliche Betreuung und Pflege e.V. (VHBP). Betroffene, die kein Geld in die Vermittlung investieren möchten, sondern eine Betreuungskraft in Eigenregie beschäftigen, könnten draufzahlen. Entpuppt sich diese als scheinselbständig, sind Sozialversicherungsbeiträge nachzuzahlen.

Mehr erfahren: Auskunftei beauftragen, sicher gehen

Frauen, die auf Basis gefälschter Zeugnisse täglich schwer pflegebedürftige versorgen, ohne über qualifizierte Ausbildung zu verfügen - eine mehr als beunruhigende Vorstellung. Zumal es auch unter den Vermittlungsagenturen schwarze Schafe gibt: So hat das Klinikum Diepholz, Niedersachsen, jetzt die Kooperation mit einer Bremer Agentur aufgekündigt - und prüft nun die Abschlüsse seiner bosnischen Kräfte selbst. Auf der anderen Seite eröffnet sich für Unternehmen wie seriöse, engagierte Vermittlungsagenturen die Option des Backgrounds-, Bonitäts- und Leumundschecks - über Schufa, Creditreform & Co. Ein Themenfeld, in dem sich die Schufa übrigens auch in eigener Sache engagiert - mit speziellen Pflegelotsen zur Unterstützung seiner internen Mitarbeiter.

Besser rechtzeitig prüfen: Ausländische Pflegeunternehmen und Einzeldienstleister

Um gewünschte Auslandsauskünfte effektiv einzuholen, verfügen Auskunfteien über engmaschige Netzwerke - international. Recherchiert und beschafft werden Bonitätsbewertungen im Land selbst - direkt und individuell vor Ort. Auch für kleinere Unternehmen wie Vermittlungsagenturen sind so Auskünfte realisierbar, die je nach Risikograd eines Geschäfts auch der Kostenoptimierung Rechnung tragen. Detaillierte Bonitätsinformationen zu (Einzel-)Unternehmen und Dienstleistern auch in Osteuropa, die Sicherheit bieten, von Firmenstammdaten über Umsatz- und Mitarbeiterzahlen bis zu Negativmerkmalen. Zu erkennen, ob mein Geschäftspartner auch der ist, für den er sich ausgibt, hat dabei besondere Priorität. Auskunfteien wie die Schufa identifizieren internationale Kontakte eindeutig - denn nur solide Vorabinformation kann Betrug wirksam verhindern!

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